
Donnerstag, 12. Februar 2009
Eine Unklarheit aus Cottbus

Sonntag, 13. Juli 2008
Schöne Technik in Berlin








Sonntag, 22. Juni 2008
Ein Ausflug nach Buch






Bald hierauf gelangt man zu einem Exemplar von Kunst im öffentlichen Raum, das sehr anschaulich zeigt, zu welcher Höhe gerade diese Form der Kunst im Sozialismus gelangen konnte. Es handelt sich dabei um das 1976 von H. Schulz und W. Petrich geschaffene Keramikrelief “Lernen und Freizeit” an einer Außenmauer, die den Eingang zum Schulhof der Hufeland-Oberschule weist. Gegenstand des Werkes ist, ganz profan, das alltägliche Leben der Menschen, und zwar junger Menschen, denn wahrscheinlich werden es vor allem solche gewesen sein, die hier bei Entstehung des Wohngebietes einzogen. Kinder lassen Drachen steigen – in der Schule lernen sie anhand von Bildern und Präperaten etwas über Vögel, während im Hintergrund Bilder von Juri Gagarin und Karl Marx an der Wand hängen – ein junges Paar beim Schwimmen – die Erbauer des Wohngebietes, dessen eine Betongroßplatte im Hintergrund zu sehen ist, werden von einer Pionierdelegation begrüßt – ein Paar (das gleiche wie vorhin?) durchtanzt die Nacht und wirbelt dabei den gesamten Sternenhimmel des Sonnensystems um sich herum – eine internationale Gruppe junger, hippieartig aufgemachter Menschen musiziert (die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Berlin lagen zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Kunstwerks erst drei Jahre zurück) – eine junge Familie picknickt am Strand. Geht man nach links, so merkt man erst, dass noch ein weiteres Bild zu dem Zyklus gehört, das sich auf einem rechtwinklig abgeknickten Stück der Mauer befindet: Kinder stehen vor einer Wand, auf die sie ein Bild der Schule malen. Die malenden Kinder sind als Reliefs abgehoben, während ihr in kindestypischen Formen gehaltenes Bild flach in den Ton eingeritzt ist (durch ebensolche Gestaltung sind auch die Bilder an den Wänden des Klassenzimmers als Bilder kenntlich gemacht, im Unterschied zum als Relief dargestellten lebendigen Tun der Schüler). So wird als Abschluss der Anlage formuliert, dass Jede und Jeder, die und der hier zur Schule geht, auch selbst künstlerisch tätig werden kann. Das zeigt sich auch an der Platzierung der malenden Kinder, die eine Ebene tiefer stehen als der ganze Rest der Bilder, so als wären sie nicht selbst Teil des Kunstwerks, sondern auf einer Stufe mit den Künstlern, die dieses Werk geschaffen haben.
Erfüllt von Eindrücken begeben wir uns in Richtung des ausgedehnten Bucher Klinikgeländes, auf dem sich Bauten aus fast allen architektonischen Strömungen des 20. Jahrhunderts versammeln: vom historisierenden Ekklektizismus über das Neue Bauen bis hin zu Spuren aus jedem Jahrzehnt Baugeschichte der DDR. So vereinigt die hier abgebildete Robert-Rössle-Klinik an einem einzigen Gebäude die letzten Ausläufer der “nationalen Bautradition” (ersichtlich noch in der Gliederung der Fassade) und eine geradezu überschwengliche Umarmung der internationalen Moderne (der Eingangsbereich ist baulich und vom Dekor her ganz in dynamischen, asymmetrischen Formen gehalten).
Durch den teilweise recht verwilderten Schlosspark hindurch gelangen wir schließlich an unser Ziel: ein Bücherbasar auf einem ehemaligen Werksgelände, bei dem wir uns mit allerlei Nützlichem und Angenehmem eindecken können. Auf einer Bank im Wohngebietszentrum beim S-Bahnhof, das leider seit meinem letzten Besuch komplett abgerissen und durch neue Ladenbebauung mit engen Gassen ersetzt wurde (nur eine Kaufhalle steht noch, wird aber momentan auch geräumt), blättern wir in unseren neuen Büchern und nehmen aus den Augenwinkeln noch wahr, wie ein kleines Mädchen ihrer Mutter imponieren will, indem sie die vor uns stehende “Gänsegruppe” Nikolaus Bodes erklettert. Ich fühle mich erinnert an meine Lieblingspassage aus Georg Piltz' “Mit der Kunst auf du und du” (Verlag Neues Leben, Berlin 1974), und will diesen Beitrag damit schließen:
Kinder “benutzen die Plastik als Mal beim Haschen, als Sitzgelegenheit oder auch als Klettergerüst. Für sie gehört das Kunstwerk einfach zu ihrer natürlichen Umwelt, es ist für sie in einem schönen Sinne selbstverständlich geworden ... Vielleicht ist dies die wichtigste Funktion der 'Kunst am Wege': Sie erlöst die Kunst aus ihrer musealen Abgeschiedenheit, in die sie von der Bourgeoisie verbannt war, und befreit den Menschen von einer Betrachtungsweise, die angesichts einer sich ständig verändernden Welt ebenfalls museal anmutet. Wir lernen mit der Kunst wie mit unseresgleichen umzugehen und sie eindringlich zu befragen, statt sie nur ehrfürchtig zu bestaunen.” Hoffen wir, dass die Kletterpartie für das Bucher Mädchen einen solchen Anfang zur Kunstliebe bildet – sollte sie die Hufeland-Oberschule besuchen, hätte sie jedenfalls bereits auf dem Schulweg beste Voraussetzungen dazu.
Montag, 17. März 2008
Saure Trauben

Über das Berliner Wohngebiet Hellersdorf wusste ich auf dieser Seite ja bislang wenig Nettes zu sagen. Heute aber muss ich doch ein Kunstwerk dieses Viertels würdigen, das mustergültig zeigt, was sozialistische Kunst vermag. Am Eingang der heutigen „Grundschule an der Wuhle“ prangt ein Mosaik aus dem Jahre 1981, welches die aesopsche Fabel „Der Fuchs und die Trauben“ in der Bearbeitung des Babrios zum Thema hat.
Weintrauben hingen noch an einem Bergabhang
Von dunklem Rebstock. Da erblickt ein schlau Füchslein
Die üppig vollen, und gar oft heranspringend
Will mit den Pfoten es die Purpurfrucht haschen,
Die reif schon war und für den Kelterbaum zeitig.
Vergebne Müh’! Er konnte nicht hinaufreichen.
Da ging er weiter, also seinen Schmerz stillend:
»Die Traub’ ist sauer, wie ich seh’, und noch unreif.«
- so zu finden auf der Internetseite „Fabeln und anderes“.
Die Kritik menschlicher Charaktereigenschaften und Konflikte in Form von Tiergeschichten, die ja das Genre der Fabel hauptsächlich ausmacht, hat ihre Berechtigung, so lang der Mensch dem Tierreich noch nicht völlig entstiegen ist, solang also die Vorgeschichte noch nicht in die eigentliche Geschichte übergegangen ist, in der der Mensch tatsächlich über seine natürlichen und gesellschaftlichen Lebensbedingungen herrscht, statt von ihnen beherrscht zu werden.
Der Selbstbetrug von der Tugend der Armut – dass man das Problem, von einem Gut ausgeschlossen zu sein, in die persönliche Entscheidung umdeutet, man wolle dieses Gut ja eigentlich sowieso nicht haben – ist umso verbreiteter, je alternativloser die Armut erscheint. Die Geschichte vom Fuchs, der sich selbst belügt, dass die Trauben, die er nicht erreichen kann, ihm ohnedies nicht schmecken würden, passt darum genauso auf die griechische Gesellschaft zu Zeiten des Aesop wie auf den heutigen Kapitalismus.
Eine sozialistisch-realistische Bearbeitung eines solchen Themas aber kann nicht dabei stehenbleiben, einfach nur die Schwäche des Subjekts angesichts der naturgegeben erscheinenden Armut darzustellen. Sie muss einen Ausweg aus der Armut zeigen, der ihre falsche ideologische Reflektion obsolet macht. Dieser Ausweg aber liegt in einer veränderten Ordnung der Arbeit, in der Kooperation der Produzenten unter planmäßiger Anwendung der Natur zur Befriedigung der Bedürfnisse der Produzenten. Die beiden auf dem Mosaik gezeigten Menschen zeigen das in wunderbar klarer und einfacher Weise: Indem sie arbeitsteilig zusammen handeln, schaffen sie, woran der Fuchs scheitert, und können die Früchte genießen, die ihm versagt bleiben. Sie erheben sich damit nicht nur über die tatsächliche Natur, sondern auch über die naturgesetzmäßig erscheinenden Zustände der Klassengesellschaft; nicht nur über das Tierreich, sondern auch über die ökonomische Konkurrenz, die macht, dass Menschen sich zueinander verhalten wie die Tiere im Kampf um das „survival of the fittest“.
Das Mosaik hebt damit die Form der Fabel in gewissem Sinne auf, indem es sie auf ein sozialistisches Fundament stellt: Erst die Abschaffung der Armut durch vernünftige Organisation der Produktion ermöglicht wirklich, dass Menschen über den eitlen Fuchs in der Geschichte lächeln können, statt sich selbst wie er zu verhalten – eine wunderbare Lehre, um sie den hier zur Schule gehenden Kindern mit auf den Weg zu geben. Ein weiteres schönes Beispiel dafür, dass die Kunst in der DDR oft schon viel weiter war, als die gesellschaftlichen Verhältnisse beim Aufbau des Sozialismus selbst.
Dienstag, 11. März 2008
Hohenschönhausener Fundsachen











Montag, 4. Februar 2008
Ein Ausflug nach Neuruppin-Süd
Samstag, 2. Februar 2008
Steinerne Tierwelt und bronzene Menschenwelt
- Wolfgang Hütt: Wir und die Kunst (1977)
In der dritten Folge der gestern begonnenen Strausberg-Reihe soll es wieder etwas weniger um Politisches und mehr um Küstlerisches gehen. Dabei kann es aber nicht um einen Gegenstandswechsel, sondern nur um eine andere Akzentuierung des Gegenstands gehen, denn schließlich lässt sich kein Kunstwerk begreifen ohne Kenntnis der gesellschaftlichen Voraussetzungen, unter denen es entstand und zu denen jedes Werk in irgendeiner Weise Stellung nimmt.
Bereits gestern abend wurde ein Stück Kunst aus dem Strausberger Wohngebiet Hegermühle behandelt, und es lohnt, noch ein paar Worte mehr zu diesem Viertel zu verlieren. Ein Blick aufs Satellitenbild via Google Earth zeigt die klug geplante Anlage in mäandernden Wohnblöcken, die von außen über eine Autostraße und von innen durch einen von viel Grün gesäumten Fußweg erschlossen wird. So kann man fast das gesamte Gebiet durchschreiten, ohne auf den Straßenverkehr achten zu müssen, kann aber trotzdem seine Wohnung auch mit dem Auto gut erreichen. Durch die verschobene Anordnung der Bauten bietet sich außerdem nach jeder Kurve ein neuer Anblick, und die Verwendung verschiedener Kunstgattungen im öffentlichen Raum lässt, obwohl es die Siedlung ganz offensichtlich für Familien mit größerem Ruhebedürfnis geschaffen wurde, keine Langeweile aufkommen.
„Kunst im öffentlichen Raum“ kann aber nicht einfach nur bedeuten, dass man Kunstwerke auf einen Stadtplatz stellt. Das Genre verlangt dem Künstler Anderes ab als bei einem Gemälde oder einer Statue, die in einer Galerie ausgestellt werden. Der Künstler muss hier nämlich nicht nur ein einzigartiges Werk schaffen, sondern eines, das in sinnvoller Beziehung zu seiner Umwelt steht. Das Kunstwerk befindet sich nicht nur im öffentlichen Raum, sondern es fügt sich in einen spezifischen Ort ein, ist ein Teil von diesem und macht eine Aussage über ihn. Der Künstler muss sich also Gedanken machen darüber, an welchem Ort sein Werk stehen soll, welche Gebäude und anderen Merkmale (Straßen, Grünanlagen, natürliche Beschaffenheit des Geländes) den Ort bestimmen, was die Funktion des Ortes für die unmittelbare Umgebung sowie für die Stadt als Ganzes ist und was er selbst über diesen Ort äußern will.
Das Standbild des gestiefelten Katers, das der Kindertagesstätte „Spatzennest“ Am Marienberg beigeordnet ist, löst diese Aufgabe noch in relativ konventioneller Weise: Der Zusammenhang zwischen Märchenfigur und Kinderhort ist leicht zu durchschauen, und obwohl die Figur hübsch gestaltet ist, geht sie in ihrer geringen Größe vor der breiten Gebäudefront doch ein bisschen verloren und wird durch die ungenügend gestutzten Bäume und Sträucher noch zusätzlich versteckt.
Schon origineller ist da der Platz vor einer anderen Kindertagesstätte definiert („Tausendfüßler“, Am Herrensee). Der kleine Seehund schaut direkt auf den Eingang und scheint auf ihn zuzurobben. So ist er einerseits Begleiter der Kinder auf ihrem Weg in den Kindergarten und begrüßt sie andererseits, wenn sie wieder zur Tür herauskommen. Eine ähnliche Situation wurde in diesem Blog schon einmal vorgestellt: Die Eisbärenmutter vor der Karl-Kollwitz-Klinik in Berlin.
Das Beste aber kommt nicht nur in diesem Beitrag, sondern auch in Hegermühle zum Schluss; zumindest, wenn man das Wohngebiet (was ratsam ist) von Süden nach Norden durchquert. Am Ende bricht die Mäanderstruktur auf und gibt den Blick frei auf einen weiten Platz, der nur mit wenigen Punkthäusern bebaut ist. Inmitten dieser Bauten, auf einer großen Wiese, steht der Bronzeakt einer mit angezogenen Knien sitzenden, zufrieden und entspannt in die Sonne blinzelnden Frau, der genau den richtigen Ausdruck des Gefühls der Weite und Ruhe, die einem der Spaziergang und sein Abschluss auf diesem Platz bieten, vermittelt. Das dem Ort angemessene Gefühl nicht nur selbst zu spüren, sondern in einem Kunstwerk vergegenständlicht zu sehen, das ist es, was Kunst im öffentlichen Raum in ihren besten Momenten leisten kann.
Freitag, 1. Februar 2008
Strausberger Kosmos
Was nun das himmlische Paradies betrifft, so haben wir darüber von den Popen gehört. Doch wir wollten selbst prüfen, wie es dort aussieht, und haben unseren Kundschafter dorthin geschickt, Juri Gagarin. Er hat die ganze Erdkugel umflogen, doch nichts im Kosmos gefunden. Stockfinster ist es dort, sagte er. Kein Garten, nichts, was einem Paradies ähnlich wäre. Wir haben überlegt und beschlossen, noch einen Kundschafter zu schicken. Und so haben wir German Titow entsandt. Wir sagten ihm: Du wirst jetzt länger fliegen, denn Gagarin, der nur eineinhalb Stunden geflogen ist, konnte das Paradies nicht entdecken. Daher paß schön auf. Er flog, kehrte zurück und bestätigte die Schlußfolgerungen, die Gagarin gezogen hat. Nichts, sagte er.
Die Sowjetmenschen, die in ihrer Mehrheit nicht gläubig sind, lieben das irdische Leben und streben daher nicht nach dem himmlischen Paradies. Sie wollen ein Paradies auf Erden haben. Sie wollen leben, arbeiten und die Früchte ihrer Arbeit genießen.
– Treffende Worte Nikita S. Chruschtschows zu einem der großen Nutzeffekte des Weltraumfluges, gefunden in „Kosmos – Moskau – Berlin. Ein Bildband vom Besuch German Titows in der DDR“.
Nachdem es bereits heute morgen um einen Fall von erhaltener DDR-Kunst in Strausberg ging, hier ein weiteres nettes Beispiel: Dieses Mosaik schmückte einst den Eingang einer Schule im Zentrum des Neubaugebiets Hegermühle, und passte hier auch gut hin, schließlich ist die Perspektive, zum Beispiel einmal zur weiteren Erforschung des Weltraums beitragen zu können, doch ein schöner Anreiz, sich zu bilden. Die Schule wurde mittlerweile mangels Nachwuchses abgerissen, die Wand mit dem Bild blieb jedoch erhalten und steht nun, ein wenig an einen Altar erinnernd, erfreulicherweise noch immer am Platz.
Die jüngere Geschichte Strausbergs ist an sich ein Trauerspiel: Die Kasernen, die früher noch den Hauptstab des Ministeriums für Nationale Verteidigung der DDR beherbergten, standen leer, nachdem die DDR ihre eigene Verteidigung zugunsten der Eingliederung ins neue Großdeutschland aufgegeben hatte. Die 15.000 Bürger, die laut Wikipedia 1989 „für mehr Demokratie“ demonstriert hatten, bekamen als Lohn diverse Bundeswehreinheiten, die die verlassenen Kasernen auffüllten und die Stadt somit zur momentan größten Garnisonsstadt Brandenburgs machten. Einen parteilosen Hauptmann der bundesdeutschen Armee wählten sie sich zu allem Überfluss auch noch zum Bürgermeister. Man glaubt es kaum, doch inmitten solch einer Bürgerschaft finden sich doch noch genügend Menschen mit Geschmack und Beharrungsvermögen, um nicht alle Spuren einer anderen Zeit verschwinden zu lassen.
Samstag, 19. Januar 2008
Soll ich wirklich diesen Titel verwenden?
Wenn man keine Zeit hat, um Reisen zu unternehmen, muss man sich wenigstens in Gedanken fortbewegen. Bildliche Ansichten der beträumten Gegend können dabei hilfreich sein, zumal, wenn man den abgebildeten Teil der Welt bereits aus eigener Anschauung kennt. Statt also eine weitere Reise nach Moskau antreten zu können, muss ich mir vorläufig mit drei Postkarten den arbeitsreichen Tag versüßen. Das Kindermusiktheater und der Kalininprospekt sehen heute leider nicht mehr so sauber aus wie auf den Fotos, sind allerdings noch immer sehr eindrucksvoll. Das gilt ebenso für das auf der rechts liegenden Karte abgelichtete Kosmonautenmuseum (momentan unter Renovierung) und den Fernsehturm (seit einem Feuer vor ein paar Jahren nicht mehr begehbar). Zeit, dass es Sommer wird und ich verreisen kann.

